Foto Claustre del Convent de Sant Domingo

Das 55. Musikfestival von Pollença
 

Unter der Leitung seines künstlerischen Leiters, des Musikers Joan Valent, präsentiert sich eine neue Ausgabe des Festivals, bei dem die Betonung wieder auf der Charakteristik liegt, aus der es erwuchs: der Musik. Musik, in Großbuchstaben, Musik als Bestandteil von Feiern, Musik als Anlass für das jährliche Zusammenkommen, im Kloster von Santo Domingo, der Liebhaber von Kultur, Kunst und Zusammenleben.

Die amerikanische Musik des 20. Jahrhunderts, Gershwin und Bernstein, ist Protagonist des ersten unserer Konzerte. Das Sinfonieorchester der Balearen, unser Orchester, dirigiert vom großartigen spanischen Dirigenten Ángel Gil-Ordóñez —ansässig in den Vereinigten Staaten, wo er eine bemerkenswerte Arbeit ausführt —, begleitet einen der größten internationalen Pianisten, Michel Camilo. Welch’ Privileg, die Rhapsody in Blue unter der Leitung dieses Aufeinandertreffens von Künstlern zu hören!

Ebenfalls aus den Vereinigten Staaten besucht uns das Kronos Quartet. Die auf vielen der weltweiten Bühnen unternommenen Bemühungen, Anspruch auf moderne musikalische Kreativität ohne die Arbeit dieses Quartetts zu erheben, entflieht jedem Verständnis. Ein Konzert des Kronos ist immer auch eine Entdeckung neuer Autoren und neuer Musiken sowie eine exzellente Gelegenheit, in den Genuss einer meisterhaften Interpretation zu kommen. 

Das 20. Jahrhundert lebt zudem dank der Einladung an drei junge Interpreten, zwei von ihnen aus Mallorca, unser Kloster an die Musik von Stockhausen anzunähern, wieder auf. Mantra, Fusion aus Klavier und elektronischer Musik, steht dem Publikum von Pollença zur Bewertung der Gültigkeit und Einordnung im spezifischen Repertorium eines jeden Hörers dieser Musik zur Verfügung.

Mendelssohn und der Romantizismus klopfen mit zwei einzigartigen Angeboten an unsere Pforten. Die Solisten der Tschechischen Philharmonie, mitteleuropäische Tradition und Gefühl, begleiten die aufstrebende Größe unseres Landes, Judith Jáuregui, mit einem außergewöhnlichen Konzert für die Bühne: Klavier und Saiteninstrumente in Harmonie und wahrhaft besonderem Fluss. Und Daniel Hope, großer Freund des Festivals, bringt uns seine neuste kreative Plattform, das Zürcher Kammerorchester, Perfektion und Stärke, ebenfalls mit Mendelssohn, aber im Konzert von Bach, Grieg und Elgar begleitet, und mit der Kunstfertigkeit eines weiteren in Pollença bekannten Musikers, Sebastian Knauer.

Wenn Mediterranität zu Musik wird, erscheinen zweifelsohne Neapel und der Barock. Und niemand Besseres als Antonio Florio und sein Ensemble, um sie zu repräsentieren. Die Stimme von Valentina Varriale und die Interpretation der Cappella Neapolitana Antonio Florio (zuvor bekannt als Cappella della Pietà de’ Turchini) zeigen uns, dass der Mittelmeerraum verbindet, nicht trennt, und dass, im Laufe der Geschichte, Mallorca und Neapel enger zusammenlagen, als geografisch vorgegeben ist.

Das diesjährige Programm wird mit einem Geschenk an die Kleinen unter uns abgerundet, unserem Publikum der Zukunft. Aus der pädagogischen Abteilung des L’Auditori de Barcelona erreicht uns Ma, me, mi... Mozart!, ein unterhaltsames Familienspektakel, das die Möglichkeit bietet, die Musik des Salzburger Komponisten von einem modernen Winkel aus zu entdecken und genießen. 

Das Programm ist serviert. Die Erarbeitung hat uns viel Freude bereitet und wir haben bereits begonnen, an der Ausgabe des kommenden Jahres zu arbeiten, um so ein noch attraktiveres Angebot darzubieten.
Foto Joan Valent

Joan Valent,
künstlerischer Leiter

Joan Valent (Palma, 1964), mallorquinischer Komponist mit in Palma de Mallorca, Barcelona und Los Angeles absolvierter musikalischer Ausbildung im Violoncello- und Klavierspiel sowie in Analyse, Komposition und Dirigat.

1987 führt er sein erstes Werk Mort a la paraula, für Klavier, Violine, Klarinette und Mezzosopran, auf. Das Studium intensiviert er mit den Komponisten Carles Guinovart, Joan Guinjoan und David Padrós in Barcelona. Er nimmt am Unterricht in Komposition, musikalischer Analyse, Orchestrierung und Instrumentation sowie Cello, Klavier und Dirigat teil. Während dieser Zeit werden mitunter die Werke Proporcions Litogràfiques (Streicherquartett), Peça per orquestra, Wind Dancer (Orchester), Cuartetos de cuerda 1º y 2º (Streichquartett), Lacrimae (für 2 Violoncelli) und Kosé (nur für Violoncello) uraufgeführt.

Wenig später zieht er nach Los Angeles (Kalifornien), wo er unter der Obhut von Aurelio de la Vega, Professor in Komposition der California State University, Northridge (CSUN), Kurse in klassischer Komposition, Filmmusik und Orchesterleitung an der University of California, Los Angeles (UCLA) gibt. Während dieser Zeit erhält er diverse Aufträge von verschiedenen Orchestern und Kammerorchestern.

1993 beginnt Valent, seine Werke rund um die Welt aufzuführen. Im selben Jahr erhält er von Michael Douglas den Auftrag für die Schaffung und Inszenierung des Werkes Escapar del siglo (vom spanischen Fernsehsender TVE ausgestrahlt). In diesem Lebensabschnitt führt er Werke wie Passio et Mors (Orchester), Cuartetos 3º, 4º, 5º (Streicherquartett), Metallum Ballenae (für sechs sinfonische Perkussionisten), Neptú i l'infant no nat (Perkussion und Electronica), Escapar del siglo (Sopran, Sprecher und Orchester), Deposits (vier Quartette und Electronica) und Desideratum zum ersten Mal auf.

Valent beginnt zudem die Zusammenarbeit als Arrangeur und sinfonischer Komponist mit Künstlern aus anderen Genres wie: Luis Eduardo Aute, Luz Casal, Pedro Guerra, Amancio Prada, José Antonio Ramos, Tam Tam Go, Stephan Micus, Bunbury, Malcom Scarpa, Pablo Guerrero, Los Panchos, Suso Saiz, María del Mar Bonet, Montserrat Caballé und Joan Manuel Serrat. Während dieser Etappe produziert er Werke wie Hastula Regia (Stimmen, Perkussion und Streicher), Sarriá (Stimme und Streicher), L'Evangeli segons un de tants (Orchester, Chor und Solisten), Mort d'un Poeta (Konzert für Violoncello), Hombres, Caballos y Toros (Perkussion, Stimme und Streicher), Concierto para timple y orquesta (Timple, Solist, Orchester) und Suite de Mararía (Orchester).

1996 lässt er sich in Madrid nieder. Er erhält von verschiedenen Orchestern aus aller Welt Aufträge und gründet die Gruppe Ars Ensemble, mit denen er live die CD Ars (Iberautor) aufnimmt. Er beginnt, Filmmusik für Produktionen wie Súper agentes en Mallorca, Delirios de Amor, El Conductor, Mararia, El viaje de Arian, Cásate conmigo Maribel und Marujas Asesinas zu schreiben.

Mit der Veröffentlichung der CD Ars (Dezember 2000) beginnen seine Publikumsauftritte und er wird für Musikpreise (in der Kategorie für neue Musik) nominiert. Er nimmt an verschiedenen nationalen und internationalen Festivals teil: Semana de Autor (Madrid), Nuevas Músicas en el Museo de la Ciudad (Madrid), Midem (Cannes- Frankreich), Festival Nuevas Músicas (Burgos), La Mar de Músicas (Cartagena), Festival Internazionale Rimini (Italien), Festival de los Castillos (Teruel), II Festival Internacional de Jazz (Galapagar-Madrid), Mercat de Musica Viva de Vic (Barcelona), Valencia, León, Murcia...

Seiner Facette als Arrangeur und Komponist folgend, nimmt er die letzte CD von Mª del Mar Bonet, Raixa (World Muxxic), und fünf weitere Konzerte (vom 25. bis 30 Juli 2001 auf dem Plaza del Rei in Barcelona) auf. Für diese Arbeit erhält er den Preis für das beste Folkalbum und das beste Album auf Katalanisch sowie eine Nomination als bester Arrangeur in der sechsten Ausgabe der Premios de la Musica (Mai 2002). Am 30. April erscheint seine neue Platte Ensems (World Muxxic). Das Werk wird ebenfalls in den Niederlanden und in Belgien veröffentlicht, wo er an der 27. Ausgabe des renommierten Festival Sfinks teilnimmt.

In der Zeit zwischen 2002 und heute präsentiert er diverse Aufführungen mit Sinfonie-, Chor- und Instrumentalmusik. Davon sind vier CD-Produktionen mit Montserrat Caballé (zwei davon wurden mit einem Grammy ausgezeichnet) hervorzuheben. Zur gleichen Zeit gründet er Musikbands für verschiedene Filme wie: Pablo G. del Amo, El viaje vertical, La bicicleta, La Caja, Serrallonga, El cónsul de Sodoma... . Außerdem publiziert er die DVD seines Konzertes für Violine Las Cuatro estaciones en Mallorca und die CD Insula Poética mit Werken für Violine, Klavier und Electronica. Er schuf die Ballettmusik Desea für die Kompanie Hojarasca Danza, ebenfalls die Balletmusik Carmen für die Kompanie von Sara Baras und viele andere Aufnahmen und Produktionen für Arrangements des Pop, der Klassik und des Flamenco.

Im Jahr 2010 stechen Projekte heraus wie: How much does your building weigh, Mr Foster? (Dokumentarfilm), La Riera (Serie auf TV3), Cántame (RTVE-Musical) y Un baccio en Roma (Dokumentarfilm).

2012 wird er zum künstlerischen Direktor des Festivals von Pollença ernannt. Er hat die Inhalte und Objektive verändert und vergrößert. Traditionellerweise war das Festival ein Konzertfest, Joan Valent hat das Spektrum erweitert und auch Beiträge von Literatur, Kunst und Kino eingebunden. In dieser Ausgabe des Festivals wurden bekannte Persönlichkeiten aus der zeitgenössischen kreativen Szene eingeladen, wie beispielsweise: Michael Nyman, Donna Leon, The World Orchestra, etc. Im Rahmen der Festivaleröffnung werden sie ihr Werk Foster Symphony zum ersten Mal präsentieren.

Durch seine Tätigkeit als sinfonischer Komponist und Komponist für das Kino präsentiert er internationale Produktionen auf der ganzen Welt. Er wurde mit dem Premio Platino, dem Premio Fénix und dem Premio Gaudí ausgezeichnet und für den Goya nominiert.

Seit 2013 wohnt er in Mexiko-Stadt und arbeitet in Los Angeles, Kalifornien, wo er mitunter Musik für Regisseure wie González Iñárritu und Sean Penn dirgiert.

Von seiner Arbeit beim Festival von Pollença sagte Daniel Hope: „… das Festival von Pollença wurde von großen Persönlichkeiten besucht, die wichtige Spuren hinterlassen haben, was es zu einem der attraktivsten und dynamischsten Festivals der Welt macht.“
Logo Festival von Pollença

DAS FESTIVAL VON POLLENÇA
 

Die Geschichte des Festivals von Pollença begann im Jahr 1962 auf Initiative des angesehenen englischen Geigers Philip Newman.

Im Laufe seiner inzwischen dreiundfünfzigjährigen Tradition erwarb sich das Festival unter der Leitung großer Persönlichkeiten (etwa die Geiger Philip Newman und Eugen Prokop, der Bariton Joan Pons und derzeit der Komponist Joan Valent) internationales Prestige und ist heute in den Sommermonaten ein Muss für Musikfreunde, gleichermaßen für Einheimische wie für unsere Besucher, die Musik in allen Aspekten und Ausdrucksformen genießen möchten.

Traditionsgemäß findet das Festival an den Juli- und Augustabenden im historischen Hof des Klosters Santo Domingo statt. Neben einem anspruchsvollen, sorgfältig ausgewählten Programm überzeugt auch die hervorragende, viel gelobte Akustik des Austragungsortes.

Seit 2012 bietet das Festival – stets seiner Tradition treu – unter der Leitung des bekannten Komponisten Joan Valent aus Mallorca eine breite musikalische Vielfalt (die klassischen Grundpfeiler, aber auch zeitgenössische Musik und traditionelle Werke aus eher unbekannten Orten). Auch andere künstlerische Ausdrucksformen wie Literatur und Film sind vertreten.

Zu den fast 800 erstklassigen Künstlern in der Geschichte dieser Veranstaltung zählen Musiker so unterschiedlicher Stilrichtungen und Herkünfte wie das große Sinfonieorchester des sowjetischen Radios, das französische Nationalorchester, die Pittsburgh Symphony, Lord Yehudi Menuhin, Mstislaw Rostropowitsch, Lorin Maazel, Mischa Maisky, Ara Malikian, Maria João Pires, Montserrat Caballé, Ainhoa Arteta, José Mercé, Ravi Shankar, Goran Bregović, Miguel Poveda, Roger Hodgson, Sven Helbig, Michael Nyman (er komponierte ein Auftragswerk zur Uraufführung auf dem Festival), Fazil Say, Ute Lemper, Daniel Hope, Estrella Morente ... und viele andere Persönlichkeiten von internationalem Rang.