PROGRAMMHEFT
Samstag, 27. August · 22.00 Uhr
Kreuzgang des Klosters von Santo Domingo
MANTRA VON STOCKHAUSEN
ALTER FACE
Tomeu Moll-Mas, Klavier
Albert Díaz, Klavier

REACTIVE ENSEMBLE
Remmy Canedo, elektronische Musik

Zum Abschluss des Festivals haben wir zwei wichtige Figuren der mallorquinischen Interpretation eingeladen, das Ensemble Alter Face, das uns ein seltenes musikalisches Erlebnis bietet: ein Konzert, in dem sich das Klavier mit elektronischer Mantra-Musik vermischt, ein bereits im Repertoire der zweiten Hälfte des XX. Jahrhunderts klassisches Werk. Zukünftige Interpreten für ein aktuelles Programm, das für die Bereitschaft des Festivals steht, über die klassischen Musikangebote hinauszugehen. Unser zeitgenössischer Vorschlag – mit Musikern von Mallorca und aus Chile.

PROGRAMM


Mantra von Karlheinz Stockhausen (1928-2007)

Voraussichtliche Dauer: 1 Std. und 15 Min. (ohne Pause)

Über Mantra, von Karlheinz Stockhausen (1928-2007)

Mantra, für zwei Klaviere, zwei Ringmodulatoren und Perkussionsinstrumente (Holzblock und Zimbeln), wurde 1970 zwischen Osaka (Japan) und Kürten (Deutschland) komponiert. Mit diesem Werk kehrt Stockhausen zur determinierten Musik und traditionellen Notation zurück, nachdem er mit offenen oder improvisierten Werken experimentiert hatte. Es handelt sich um eine „gemischte“ Komposition, da sie akustische Instrumente mit live interagierenden elektronischen Hilfsmitteln (der Ringmodulation) verschmelzt.

Mantra ist ein Sanskritwort, das von den Wörtern manah (Geist) und trāyate (Instrument) abstammt. Das erzeugende Mantra dieses Werks ist eine Melodie mit dreizehn Noten – bestehend aus den zwölf Tönen der chromatischen Tonleiter –, die mit einem „A“ beginnt und endet. Diese Melodie entwickelt sich in 156 Intervall- und Rhythmusvariationen und erkundet so unendlich viele Aspekte der Anfangsidee.

Der von Stockhausen entworfene Ringmodulator ist ein analoges Gerät, das das gesamte Werk mit den aus der Vervielfachung zweier Frequenzen entstehenden Klänge begleitet: die eigenen Klänge und die Klänge des Klaviers. Der Eigenklang des Modulators durchläuft während der Interpretation von Mantra die dreizehn Noten der erzeugenden Melodie in dreizehn Perioden, die in großem Maßstab den melodischen Mikrokosmos des Ursprungs reproduzieren und ihn maximal ausdehnen.

In der Version von Alter Face und Reactive Ensemble erzeugen wir diesen analogen Prozess mit digitalen Hilfsmitteln: eine von Remmy Canedo entworfene Software erzeugt die Ringmodulation mit der Unterstützung eines Zentralcomputers, der an zwei Tische angeschlossen ist, einer für jeden Pianisten, die es erlauben, von der Bühne die Frequenzen und die restlichen Parameter eines virtuellen Modulators zu kontrollieren. Die Erstaufführung dieser Version fand im Dezember 2014 auf dem Festival Musik der Jahrhunderte Stuttgart statt.

Wir stellen uns Mantra wie eine große dreidimensionale Klangstruktur vor, in der ein melodischer Keim sich „horizontal“  und die vom Ringmodulator erzeugten Klangfunken „vertikal“ ausdehnen. Das Mantra wir von den akustischen Instrumenten „auf der Erde“ wiederholt, wie eine meditative Zauberformel, und die elektronischen Hilfsmittel verwandeln es in einen „kosmischen“ Nachhall, der echten Klang in transzendente Schwingungen umwandelt.


Alter Face Piano Ensemble
Photo Tomeu Moll-Mas
Tomeu Moll-Mas

Tomeu Moll-Mas ist ein in Pòrtol geborener mallorquinischer Pianist. Unter seinen Lehrern sind Albert Díaz, Jean-Pierre Dupuy und Josep M. Colom hervorzuheben. Außerdem waren während seiner Ausbildung die Zusammenarbeiten mit Komponisten wie Marco Stroppa von grundlegender Wichtigkeit. Er erhielt zudem die Ratschläge anderer großer Schöpfer wie H. Lachenmann, S. Gervasoni, J. M. López López, A. Posadas, usw. Er ist neuen Klangsprachen verschrieben und führte zahlreiche Werke in Sälen und auf Festivals in Deutschland, Brasilien, Spanien, Finnland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich und Chile auf. 

Sein Interesse gilt dem gemeinsamen Schaffen und dem künstlerischen Dialog, sodass er an interdisziplinären Projekten wie dem Tanz, der Bildhauerei oder der Videokonzeption mitwirkte. Zu seinen jüngsten Projekten gehört das Werk Peça für live gefertigte Keramik, elektronische Klänge und Klavier. Er ist Mitglied der Gruppierungen Espacio Sonoro, aus Valencia, und Morphosis, aus Katalonien, und Gründungsmitglied des 2011 gegründeten Klavier-Ensembles Alter Face. Zudem hat er auch mit modernen musikalischen Gruppierungen zusammengearbeitet, unter anderem unter der Leitung von J. Ph. Wurtz.

Er wirkte an der Aufnahme diverser kollektiver CDs mit und 2014 brachte er sein erstes eigenes Werk auf den Markt, De Natura Elèctrica, eine performative Erforschung der Art und Weise, in der elektronische und digitale Klangmittel die Ästhetiken zeitgenössischer Musik formen. Dieses Projekt wird mit zahlreichen Aufführungen von Werken für Klavier, die von digitalen audiovisuellen Medien vorbereitet, manipuliert und mit ihnen kombiniert werden, weiter ausgebaut. 

Zu seinem Repertoire gehören die größten Meisterwerke aller Zeiten wie die Goldberg-Variationen, von J. S. Bach, die Klaviersonate von Jean Barraqué oder die Vingt Regards sur l'Enfant-Jésus, von Olivier Messiaen.

Seine Aufnahmen wurden unter anderem bei Catalunya Música, Ona Mediterrània, dem spanischen Nationalradio, IB3, TVE und dem finnischen Nationalradio ausgestrahlt.

Er unterrichtet am mallorquinischen Conservatorio Profesional de Música y Danza.
Photo Albert Díaz
Albert Díaz

Albert Díaz wurde in Palma (Mallorca) geboren, wo er unter der Leitung von Emili Muriscot seine Ausbildung zum Pianisten absolviert. Im Anschluss daran zieht er nach Paris. Dort schließt er seine Studien zur Perfektionierung an der École Normale de Musique Alfred Cortot unter der Leitung des Professors Nelson Delle-Vigne ab.

Für seinen Studienabschluss am Konservatorium der Balearen erhielt er in seinem Jahrgang die höchste Auszeichnung. Zudem wurde er bei der 5. Ausgabe des internationalen Klavierwettbewerbs Ibiza unter einstimmigem Beschluss der Jury mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Auch das Miami-Dade County (Vereinigte Staaten) zeichnete ihn mit einem Preis aus.     

Er trat in wichtigen Konzertsälen auf, von denen unter anderen die Place des Arts in Montreal, die Elebash Recital Hall des Graduate Center in New York, das UNO-Quartier in Genf (Schweiz), die Accademia di Spagna in Rom, die Pariser Sala Alfred Cortot und das Teatro Comunale aus Umbrien (Italien) hervorzuheben sind. Zudem trat er auch auf renommierten Festivals auf, wie dem internationalen Chopin-Festival von Valldemossa, dem internationalen Chopin-Festival von Caserta in der Nähe Neapels und dem Festival Paderewski aus Warschau.

Als Solist trat er mit dem Deutsch-Französischen Kammerorchester, dem Sinfonieorchester der Balearen, mit der  Kammerphilharmonie Baden-Württemberg und dem  Kammerorchester Los Solistas aus Mallorca auf.

Konzerte gab er in Spanien, Frankreich, Italien, Belgien, der Schweiz, Österreich, Portugal, Deutschland, Polen, den Vereinigten Staaten und Kanada.

Seine Diskografie umfasst diverse Werke. Darunter befinden sich eine komplette CD von Chopins Werk für Klavier zu vier Händen und eine dreifache CD mit dem Gesamtwerk für Klavier des Komponisten Romani Alís, die von der Kritik als bewundernswertes Werk gepriesen wurde. 

Derzeit vereinbart er seine öffentlichen Auftritte mit der Leitung des Conservatorio Superior de Música de las Islas Baleares (Musikhochschule der Balearen). Albert Díaz erwarb an der Universität der Balearen die Doktorwürde.
Photo Remmy Canedo
Remmy Canedo

Remmy Canedo (1982, Santiago de Chile) ist ein Komponist, Computer-Musikdesigner und Interpret. Seine Musik erkundet die Klangmanipulation und -verformung in Echtzeit. Dabei sind das Experimentieren und der Dialog zwischen Computern und Interpreten seine Hauptmerkmale.     

Er studierte Komposition an der Universidad de Chile unter der Leitung von Jorge Pepi Alós. Nachfolgend studierte er Komposition und Computermusik und machte sein Konzertexamen in Komposition und Computermusik, beide beim Professor Marco Stroppa, an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. 

Er nimmt regelmäßig aktiv an Kompositions- und Elektronikworkshops wie Matrix11 im Experimentalstudio des SWR Freiburg, Matrix12 in Amsterdam und Warschau, den Musikdesign-Workshops ManiFeste – l’Académie und Neue Technologien und Computermusik und den Kursen 1 und 2 der Praktiken der Computermusik des französischen Musikforschungsinstitut IRCAM – Centre Pompidou teil.

Seine Arbeit konzentriert sich auf die Anwendung der Algorithmischen Komposition in Echtzeit als Erweiterung des Konzepts der Klangmanipulation, in diesem Fall eingesetzt für die Partitur, und errichtet interaktive Netzwerke, an denen der Kompositionsprozess, die Interpreten und audiovisuelle Elemente beteiligt sind, um vielgestaltige Musik einzigartiger Natur zu kreieren.

2012 begann er, zusammen mit Tobias Hartmann interaktive audiovisuelle Installationen zu kreieren. Diese Zusammenarbeit führte zur Entstehung des interaktiven Kunstkollektivs AVAF (AudioVisualArtFabrik). Zudem ist er Gründer des seit 2013 aktiven Reactive Ensemble, ein elektronisches Ensemble, das sich der elektronischen Musik und der multimedialen Kunst widmet.